Vorgehängte, hinterlüftete Edelstahl-Fassade D im Kraichgau
In der Region Kraichgau in Süddeutschland wurde ein privates Wohnhaus umfassend saniert und erweitert. Das ursprünglich geneigte Dach wurde zurückgebaut und durch ein zusätzliches Geschoss in Holzbauweise mit flachem Dach ersetzt. Im Zuge dieser Maßnahme wurde auch die bestehende Fassade vollständig erneuert.
Die vorherige Gebäudehülle bestand aus einem verputzten WDVS-System, das aufgrund erheblicher Baumängel rückgebaut werden musste. Die Ausgangssituation war technisch anspruchsvoll: ein komplexer Baukörper mit vielen Ecken und Kanten, auskragenden Bereichen im Erdgeschoss sowie Entwässerungsleitungen innerhalb der Dämmebene. Da das Gebäude über keine zentralen Versorgungsschächte verfügte, erforderte die Neuorganisation der Fassadenkonstruktion eine besonders sorgfältige Planung. Erst nach einer Betonsanierung der Stirnkanten konnte die neue Befestigung der vorgehängten Fassade realisiert werden.
Unsere Entwurfsstrategie sah eine bronzefarbene Rautenfassade vor, die nahtlos über Kanten, Ecken und Untersichten geführt wird. Ziel war es, eine zusammenhängende, präzise Oberfläche zu schaffen, die dem Baukörper Ruhe verleiht und gleichzeitig ein lebendiges Lichtspiel entwickelt. Je nach Tageszeit, Jahreszeit und Witterung verändert sich die Wahrnehmung der Fassade subtil und verleiht dem Haus eine eigenständige architektonische Identität. Als Material kam gefärbter Edelstahl zum Einsatz, dessen Oberfläche in einem speziellen Verfahren behandelt wurde. Im Gegensatz zu Kupfer oder anderen Metallen war es dem Baukunden wichtig, eine Oberfläche zu wählen, die sich über die Jahre nicht verändert und keine Patina ausbildet. Das gewählte Fassadensystem reagiert flexibel auf die Bewegungen des inhomogenen Untergrunds und gewährleistet so eine dauerhafte Stabilität bei gleichzeitig hoher Präzision im Erscheinungsbild.
Besonderes Augenmerk lag auf der Detailausbildung. Die Rautenteilung beginnt sowohl am oberen als auch am unteren Fassadenabschluss bewusst mit einer halben Kachel, um ein ausgewogenes Gesamtbild zu erzielen. Übergänge zu Untersichten, Fensteröffnungen und Anschlüssen wurden individuell gelöst. Trotz fehlender digitaler Bestandsgrundlagen konnte der unregelmäßige Baukörper durch handwerkliches Know-how und viele planerische Feinabstimmungen exakt umgesetzt werden.
Das Ergebnis ist eine markante, zeitgenössische Architektur, die den Bestand respektiert und zugleich eine neue, klare Haltung formuliert. Die Fassade verbindet Langlebigkeit, Wertigkeit und Funktionalität mit einem hohen gestalterischen Anspruch.

- Entwurf Metallfassade
- Ausschreibung
- Mitwirkung bei der Vergabe
- Bauleitung
- Lichtkonzept Außenbeleuchtung
- in Kooperation mit Bredt und Partner, Darmstadt
- Planung 02.2020
- Bemusterung 06.2020
- Baubeginn 10.2020
- Fertigstellung 07.2021
- Vorgehängte, hinterlüftete Metallfassade aus gefärbten Edelstahlschindeln
- Übrige Flächen verputzt
- Beleuchtung Occhio
Kraichgau, Süddeutschland



















